Die Entstehung von Sandkorntherapie - 6 Räume, eine Passion

Ende 2016 wagte ich einen großen Schritt: Gemeinsam mit meinem Partner zog ich ins Zürcher Oberland – in eine Groß-WG mit zehn Menschen. Es war ein Neuanfang, ein Abenteuer. Ich ließ meine Heimat hinter mir und spürte die Aufregung dieses neuen Kapitels.

Gleichzeitig veränderte sich auch mein beruflicher Weg. Ich kündigte meine Stelle in einer Physiotherapiepraxis in Rotkreuz und fand schnell eine neue Anstellung als Medizinische Masseurin in Winterthur. Doch schon bald wurde mir klar, dass ich mehr wollte – mehr Freiheit, mehr Eigenverantwortung, mehr Raum für meine eigene Vision.

Der Schritt in die Selbstständigkeit

2018 fasste ich schließlich den Mut, meinen eigenen Weg zu gehen. Mein Konto zeigte gerade einmal 50 Franken, aber ich war entschlossen. Ich suchte und fand schnell meinen ersten Praxisraum – einen kleinen, funktionalen Platz im Activ Fitness in Uster. Hier begann alles. Anfangs hielt ich meine Festanstellung noch einige Monate, doch schon bald konnte ich mich voll und ganz meiner Selbstständigkeit widmen.

Die Namenssuche – von Staub zu Sandkorn

Ein Name musste her. Zunächst kam mir „Staubtherapie“ in den Sinn, doch mir wurde schnell klar, dass das eher für Verwirrung als für Klarheit sorgen würde. Also fragte ich mich: Was ist das eigentliche Ziel meiner Arbeit?
Ich kam zu einer Erkenntnis: Oft ist es ein einziges, kleines Detail – ein Sandkorn im fein abgestimmten System des Körpers und der Psyche – das große Störungen verursachen kann. Genau dieses Sandkorn zu finden, es zu erkennen und mit gezielter Therapie das Gleichgewicht wiederherzustellen, das war meine Vision.

So entstand der Name Sandkorntherapie – nicht, weil Sand Teil meiner Arbeit ist, sondern weil jedes noch so kleine Ungleichgewicht eine große Wirkung haben kann. Und genau darum geht es in meiner Praxis.

 

1. Der Anfang im Keller – Activ Fitness, Uster

Mein erster Raum befand sich im Activ Fitness in Uster – ein schlichter, funktionaler Raum, den ich mir mit einer anderen Berufsmasseurin teilte. Die Einrichtung war minimalistisch: eine Massageliege, ein Wandschrank, ein kleiner Tisch. Es gab keine Fenster, keine Dekoration, nichts, was eine besondere Atmosphäre schuf. Doch für den Anfang war es genau richtig.

Gerade in einem Fitnessstudio bot sich die perfekte Gelegenheit, einen Kundenstamm aufzubauen. Zunächst mietete ich den Raum für einen Tag pro Woche, doch mit der Zeit wuchs die Nachfrage, und ich konnte auf drei Tage erweitern.

Schon damals hatte ich eine klare Vision: Ein eigener Raum, der Ruhe ausstrahlt, in dem meine Energie spürbar ist, ein Ort, der Heilung ermöglicht. Die Träume waren groß – und der Weg dorthin hatte gerade erst begonnen.

Heimkehr, Verlust und ein Neuanfang – Sandkorntherapie erwacht in Olten

 

Mama und ich

2019 wurde das Heimweh nach Olten immer stärker. Ich vermisste meine Familie, meine Freunde – doch vor allem fehlte mir meine Mama. Mit viel Überzeugungskraft und Energie gelang es mir, meinen Partner für einen Umzug nach Olten zu gewinnen. Im Januar 2020 war es dann soweit: Ich war wieder zurück in meiner Heimat.

Mein Plan war, weiterhin in Uster zu arbeiten, bis ich mir in Olten eine eigene Praxis aufgebaut hatte. Doch das Leben hatte andere Pläne – und stellte mich vor die schmerzhafteste Erfahrung meines Lebens.

Ende Januar kehrte meine Mama von einer Reise aus Thailand zurück – direkt ins Spital. Das war nicht ungewöhnlich, doch dieses Mal sollte es anders sein. Nach nur drei Wochen im Krankenhaus erhielt sie die Diagnose Lungenkrebs – viel zu spät. Am 27. Februar 2020 um 19:07 Uhr nahm sie ihren letzten Atemzug.

Zum zweiten Mal in meinem Leben wurde mir der Boden unter den Füßen weggerissen. Über sechs Monate vergingen, in denen ich jeden Abend mit Tränen einschlief und morgens mit dem gleichen Schmerz aufwachte.

Am 7. März 2020 konnten wir uns im kleinen Kreis von ihr verabschieden – nur wenige Tage bevor am 16. März 2020 der erste Lockdown begann. Neben der tiefen Trauer kam eine weitere Unsicherheit: Wie sollte es nun weitergehen? Die Existenzängste wuchsen, die Zukunft war ungewiss.

Am 26. April 2020 durfte ich meine Arbeit als Medizinische Masseurin wieder aufnehmen. Es war ein Moment der Erleichterung – aber auch der Angst. Jede Woche fuhr ich von Olten nach Uster und gieng meiner Arbeit auch in dieser  herausfordernden Zeit mit viel Leidenschaft nach.

Im Frühling 2021 spürte ich, dass es Zeit für einen Neustart war. Trotz aller Unsicherheiten entschied ich mich, Sandkorntherapie neu aufzubauen. Ich wagte den nächsten Schritt und mietete einen Raum in der Jurastrasse in Olten – ein neuer Ort, ein neuer Anfang.

2. Ein Neuanfang in der Pandemie – Jurastrasse, Olten

Mitten in der Pandemie wagte ich den Schritt in Olten neu zu starten und fand  meinen  Platz für Sandkorntherapie in einer kleinen Gemeinschaftspraxis an der Jurastrasse in Olten. Es war ein liebevoll gestalteter Raum, der Ruhe ausstrahlte – ein Ort, an dem Sandkorntherapie wachsen konnte.

 

Um auf mich aufmerksam zu machen, dekorierte ich das Schaufenster zur Straße. Und es funktionierte: Schon bald fanden die ersten Kundinnen und Kunden den Weg zu mir.

 

Doch das Glück hielt nicht lange an. Direkt vor meiner Praxis begann eine grosse Baustelle, die nicht nur meine Konzentration, sondern auch die entspannte Atmosphäre störte. Der Lärm war unüberhörbar und spürbar – für mich und vor allem für meine Klientinnen und Klienten. Ich wusste: So konnte ich nicht weiterarbeiten.

3. Die Notlösung – Konradstrasse 1.0

Ein erneuter Umzug war unausweichlich – doch er kam zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Mein Budget war knapp, die Praxis noch im Aufbau, und durch die Pandemie gab es kein Erspartes, auf das ich zurückgreifen konnte. Es war eine Herausforderung, die mich viel lehrte – über Widerstandskraft, Durchhaltevermögen und den Mut, immer wieder neu zu beginnen.

Die Notlösung – Konradstrasse 1.0

Unter Zeitdruck musste schnell eine neue Praxis her – und so fiel die Wahl auf die Konradstrasse 1.0. Auf den ersten Blick schien es eine gute Lösung, doch schon bald zeigte sich: Der Schein trügte.

Der Raum fühlte sich nicht richtig an, die Atmosphäre war unpassend, und mit jedem Tag wurde deutlicher, dass ich hier nicht bleiben konnte. Es war kaum auszuhalten, das Gebäude war sehr schlecht gepflegt. Mir blieb keine andere Wahl – ich musste erneut umziehen.

4. Die Zwischenstation – Ringstrasse, Coworking Startup Academy

Mit der Coworking Startup Academy an der Ringstrasse wagte ich ein neues Experiment. Die Idee klang vielversprechend: eine inspirierende Umgebung, kreative Köpfe, frische Impulse. Doch die Realität sah anders aus.
Wir befanden uns mitten in der Pandemie – eine ohnehin schon schwierige Zeit, in der jeder mit sich selbst beschäftigt war. Ich fühlte mich fehl am Platz, missverstanden, und es geschah vieles auf persönlicher Ebene, das mich belastete.
Schnell wurde mir klar: Sandkorntherapie braucht mehr als nur einen flexiblen Arbeitsplatz – wir brauchen ein echtes Zuhause.

 

5. Angekommen über den Dächern von Olten – Konradstrasse 2.0

In der Konradstrasse 2.0 befand sich die Praxis von Wanda Keller – einer leidenschaftlichen Naturheilpraktikerin und einer wahren Freundin. Schon lange hatte ich einen bestimmten Raum dort ins Herz geschlossen, doch er war belegt – von einer Hypnosetherapeutin.

Eines Nachts, als mich Sorgen wach hielten, fasste ich mir ein Herz und schrieb ihr eine Nachricht. Ich erklärte, dass ich dringend ein Zuhause für Sandkorntherapie suchte und sie sich bitte melden solle, falls der Raum jemals frei werde.
Noch in derselben Nacht kam die Antwort: “Ja, der Raum wird frei.”

Es waren nur noch drei Tage bis zum Monatsende – also kontaktierte ich sofort Frau Covella, die Vermieterin. Innerhalb von 72 Stunden hatte ich die Zusage für diesen wundervollen Raum über den Dächern von Olten. Die Erleichterung war unbeschreiblich. Noch rechtzeitig konnte ich den Mietvertrag an der Ringstrasse kündigen.

Drei Monate später zog ich um. Und mit mir fiel eine riesige Last von meinen Schultern – 100 Kilo, gefühlt.

 

Hier, an diesem Ort, fühlte ich mich endlich angekommen. Ich war willkommen. Sandkorntherapie konnte aufblühen, wachsen und endlich das sein, was es immer sein sollte.

6. Ankommen in der Altstadt – Härzenswärk, Kirchgasse 15

 

 

Die letzte Etappe meiner Reise führte mich ins Herz von Olten: an die Kirchgasse 15. Hier wurde ein lang gehegter Traum Wirklichkeit – der Traum einer Gemeinschaftspraxis. Ein Ort voller Charakter, Geschichte und einer Atmosphäre, die Heilung und Wachstum fördert.

Das Netzwerk Härzenswärk wurde im Herbst 2022 von Desi & Stephanie gegründet. Eine Plattform, die Herzensbusinesses aus der Region vereint – mit einem besonderen Fokus auf Frauengesundheit, Schwangerschaft, Geburt und Familie.

Schon lange war ich überzeugt, dass es verschiedene Expertisen und Herzensmenschen braucht, um das bestmögliche Angebot für Klientinnen und Klienten zu schaffen. Deshalb entschied ich mich im Winter 2023, Teil von Härzenswärk zu werden.

Im Frühling 2024 kam dann die entscheidende Nachricht von Desi & Stephanie: Sie waren nun soweit, eigene Räumlichkeiten für Härzenswärk zu suchen – einen Ort, an dem vielfältige Angebote ihren Platz finden sollten. Ob ich mit Sandkorntherapie ein Teil davon werden wollte?

Meine Antwort war klar: Ja – aber nur, wenn es wirklich besondere Räumlichkeiten sind. Ich liebte meinen Praxisraum über den Dächern von Olten und konnte mir nur einen Umzug vorstellen, wenn der neue Ort mich voll und ganz überzeugte.

Nun ja – es war Liebe auf den ersten Blick. Als wir Anfang Sommer 2024 die Räume besichtigten, wusste ich sofort: Das ist es.

Und so wagte ich es noch einmal. Im September 2024 zog Sandkorntherapie erneut um – in die Kirchgasse 15.

 

Hier wurde mein Traum wahr: Eine Gemeinschaftspraxis in einer einzigartigen Atmosphäre, voller Wärme, Wissen und Verbundenheit.

Jeder Neuanfang führt ein Stück näher zum Ziel

Wenn ich auf diesen Weg zurückblicke, sehe ich nicht nur Umzüge, Herausforderungen und Neuanfänge – ich sehe Wachstum, Mut und unermüdliche Leidenschaft. Jede Station, jeder Raum und jede Entscheidung haben Sandkorntherapie geformt und mich dorthin geführt, wo ich heute stehe.

Von einem kleinen, fensterlosen Raum in einem Fitnessstudio über turbulente Zeiten voller Unsicherheiten bis hin zur Erfüllung eines großen Traums in der Altstadt von Olten – jeder Schritt hatte seinen Sinn. Jeder Abschied war auch ein Aufbruch, jede Krise eine Chance.

Heute ist Sandkorntherapie angekommen. Nicht nur räumlich, sondern auch in seiner Essenz. Ein Ort der Ruhe, Heilung und Verbundenheit ist entstanden, in dem Menschen auf ihrem ganz eigenen Weg begleitet werden.

Doch wenn mich diese Reise eines gelehrt hat, dann ist es das: Es gibt nie wirklich ein Ende. Es gibt immer Bewegung, Veränderung und neue Türen, die sich öffnen. Und ich freue mich darauf, zu sehen, wohin dieser Weg noch führt.
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